Vorhandene Bestände
 

Vernichtung von überschüssigen deutschen Chemiewaffen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg [1]


Vereinigtes Königreich (122.508 Tonnen)
34 Schiffe mit 127.000 Tonnen konventioneller und chemischer Kampfstoffe wurden 46,3 km südöstlich von Arendal versenkt (südnorwegische Küste). Zwischen 1945 und 1954 wurden 24 Schiffen mit 137.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe aus den Beständen der britischen Armee versenkt. Die beiden Plätze waren in der Nähe der Hurds-Tiefe im Ärmelkanal und in der Gegend etwa 100 km nordöstlich von Nordirland. 8 der Schiffe sind nicht tiefer als 2000 m versenkt. 1955-1957 wurden 25.000 Tonnen deutscher Tabunbomben, britischen Senfgases und Phosgenbomben etwa 250 km westlich von Colonsay im Atlantischen Ozean versenkt. Weitere Versenkungen wurden in Beaufort's Dyke durchgeführt, etwa 10 km vor der schottischen Küste. Zum Beispiel wurden hier 1945 14.000 Tonnen mit Phosgen gefüllter Munition versenkt.

Sowjetunion (62.505-70.500 Tonnen)
In dem sowjetischen Sektor wurde etwa ein Fünftel der Gesamtbestände der deutschen Chemiewaffen gefunden. Sie wurden in Hochöfen verbrannt, zur Explosion gebracht oder in die Ostsee gekippt. Im Gegensatz zu den USA und dem Vereinigtem Königreich wurde die Munition Stück für Stück versenkt, insgesamt etwa 600.000 Einzelteile. Alles in allem landeten 12.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe in der Ostsee, davon 7.200 Tonnen Senfgas, 2.400 Tonnen arsenhaltige Substanzen und 2.400 Tonnen Reizstoffe wie Adamsit, Chloracetophenon und toxische Kampfgase.

USA (93.995 Tonnen)
Insgesamt 11 Schiffe mit 31.000 - 39.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe an Bord wurden versenkt. Der Rest wurde in die USA, nach Großbritannien oder nach Italien verschifft bzw. an eine deutsche Firma verkauft, die einen Teil der Inhaltsstoffe wiederaufbereiten wollte. Insgesamt sind 60 „Abladeorte“ in der ganzen Welt bekannt

Frankreich (9.250 Tonnen)
Frankreich war an der Beseitigung deutscher Chemiewaffen beteiligt. Einzelheiten sind jedoch nicht bekannt

[1] Bonn International Center for Conversion: Conversion Survey 1997. Global Disarmament and Disposal of Surplus Weapons, Oxford 1997, 1997: S.200-201