Revolution in Military Affairs

 

Der Begriff "Revolution in Military Affairs" hat in den 90er Jahren eine zentrale Stellung in einer Vielzahl von Debatten eingenommen. Dies gilt z.B. für die Frage nach der Zukunft des Krieges oder nach den Möglichkeiten die sich den Sicherheits- und Militärpolitiken, eröffnen, die diese technischen Mittel für sich zum Einsatz bringen. Eng mit Ihm verbunden sind auch Begriffe wie Informationskriegsführung oder Asymmetrische Kriegsführung.

Trotz, oder gerade wegen, des fundamentalen Wandels, der RMA nachgesagt wird, gibt es bis heute nur wenige feststehende Konzepte und Aussagen zu ihren Wechselbeziehungen und Implikationen zu den durch sie tangierten Fragen. Dies betrifft gerade jene Punkte, die die RMA in ein kritisches Licht rücken: Effekte für das Humanitäre Völkerrecht, für die Rüstungskontrolle und für das Zustandekommen und Weiterführen von Allianzen oder so zentralen militärischen Partnerschaften wie der NATO.

RMA bezeichnet eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Vorgänge die gleichzeitig auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Ihr Auslöser und erste Ebene der Revolution ist der Bereich der Militärtechnologie. Hier hat der Einzug der Informationstechnologien (IT) zu einem durchgreifenden Wandel der Art und Weise geführt, wie und mit welchen Fähigkeiten z.B. Waffen gebaut und eingesetzt werden. Sie können kleiner gebaut werden und aktiv auch noch während ihres Fluges gesteuert werden- oder aber, sie übernehmen dies selbst.
Dies gilt aber nicht nur für Waffen. Die RMA, die auf der IT beruht ist deswegen so umgreifend, weil die Waffen nur ein Teil des sich massiv wandelnden Elemente sind. Erfasst ist vielmehr nahezu jede Neu- und Weiterentwicklung im Bereich der Militärtechnologie. Weiteren Input leisten zivile IT-Produkte, die qualitativ mindestens ebenbürtig sind und in ihrer Funktionalität universell: Wettersatteliten, Prozessoren etc. Im Kern Bedeutet die RMA zunächst also eine technische Revolution.
Die mit der IT buchstäblich verbundene Fähigkeit Informationsaustausch und -Verarbeitung zu leisten, ist auch das Hauptcharakteristikum des entstehenden Systems aus Waffen, Satteliten und Peilgeräten, die die Zieldaten liefern und den Großrechnern, die alle gesammelten Informationen verwertbar machen. Das Schlagwort für dieses eng verwobene Netz von unterschiedlichsten militärischen IT nennt man im Fachjargon auch "System of Systems". Die Veränderungen auf der technischen Ebene induzieren Transformationen auf der Ebene der Strategien, ( Wie sollen militärische Ziele erreicht werden) und der Streitkräfteorganisation. Diese drei Variablen (Strategie, Organisation, Technologie) sind zentral für die mit der RMA verbundene Zielvision: Man will...

  • bei militärischen Auseinandersetzungen weniger bis keine Verluste auf der eigenen Seite haben und auch sog. Kollateralschäden bei der Zivilbevölkerung vermeiden.
  • Durch umfassende Informiertheit über den Gegner und seine aktuellen Schritte seine eigenen Einheiten effektiv einsetzen und den Gegner überraschen oder umgehen.
  • Im Rahmen der Informationskriegsführung dem Gegner Zugang zu wichtigen Informationen verweigern oder Informationen manipulieren
  • Das einzusetzende Material und Personal weitgehend reduzieren

Hierbei noch nicht angeklungen sind eher nicht intendierte Effekt der RMA. Auch ohne ihren Effekt auf tatsächliche Kriege der Zukunft verändert sich die politischen Optionen und Perzeptionen der Akteure in Hinblick darauf, wann und mit welchen Folgen sie militärische Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen einsetzen können. Somit beschreibt die RMA als Konzept nicht nur die gesteigerte Effizienz von Waffensystemen, sondern auch neue Handlungsoptionen und Organisationsformen, die Militär und Politik durch sie erhalten.

Die RMA ist in der Realität ein weitestgehend US-amerikanisches Phänomen. Doch die zentrale Stellung der USA in den Bereichen Militärtechnologie und Sicherheitspolitik hat die Debatte in alle Regionen der Welt getragen. Hinzu kommt der II. Golfkrieg. Er wird in der Diskussion als offensichtliches Beispiel dafür angeführt, dass durch den Einsatz von Hochtechnologie ein schneller und überzeugender Sieg möglich war.

Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Umsetzung der Mehrzahl von Ideen und Konzepte der RMA, so wie sie in den Köpfen vieler Militärplaner existieren, bis dato noch nicht geschehen ist.

Wie Überlegen macht die RMA? Sie gibt spezifische Antworten auf die Frage nach zukünftigen Bedrohungen und Anforderungen an die Militärpolitik. Einige wichtige Punkte werden auch bei der oft konstatierten Überlegenheit ausgeklammert. Die Überlegenheit ist nicht grenzenlos und nicht universell. Es gibt ein Reihe von Szenarien, in denen RMA-Technologien keine Überlegenheit bringen können. Dies sind z.B. Bürgerkriege, Konflikte, in denen mit untypischen Waffen oder Methoden gekämpft wird (Asymmetrische Kriegsführung)

Neben den also nie generell auszuschließenden Risiken in bestimmten Szenarios rückt ein weiterer kritischer Punkt immer häufiger ins öffentliche Licht. Durch die RMA könnte die Schwelle zum Kriegseintritt sinken. Ist das Risiko eigner Verluste gering und das militärische oder politische Ziel mittels der modernen Waffen durchsetzbar, so kann Krieg als Mittel der Politik eine deutlich höhere Akzeptanz in der eigenen Bevölkerung erfahren. Insbesondere sDemokratien, könnten somit von der RMA profitieren.

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Dokumente

 

 
Literatur

 

  • Cohen, Eliot A. (1996) „A Revolution in Warfare", in: Foreign Affairs, Vol.75, No.2, pp.37-54.
  • Hoch, Martin (2000) "Die ´Revolution in Military Affairs´ - zur Kritik eines Mythos" in: Europäische Sicherheit, No.8/2000, pp.51-54.
  • Krepinevich, Andrew 1994 „Cavalry to Computer: The Pattern of Military Revolutions" in: The National Interest, No. 37, Fall 1994.
  • W. A. Smit, J. Grin, L. Voronkov (eds.), Military Technological Innovation and Stability in a Changing World - Politically Assessing Weapon Innovation and Military Research and Development, Amsterdam: VU Press, 1992.
  • Morgan, Patrick M. (2000) „The Impact of the Revolution in Military Affairs" in: The Journal of Strategic Studies, Vol.23, No.1, pp.132-162.
  • Müller, Harald / Schöring, Niklas2001 "Revolution in Military Affairs", HSFK-Report Nr. 8, 2001.