CENSIS

 

Unter dem Eindruck des Wettrüstens zwischen Ost und West haben sich Hamburger Naturwissenschaftler bereits in den frühen 80er Jahren in einer hamburg-weiten Initiative und an der Universität zusammengeschlossen. Die anfänglichen Schwerpunkte lagen bei der Lehre und bei der Organisation von Fachtagungen. Im Jahre 1989 wurde dann von Mitgliedern der Fachbereiche Informatik, Mathematik und Physik sowie dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe für Naturwissenschaft und Internationale Sicherheit (Center for Science and International Security, CENSIS) gegründet. Das Ziel von CENSIS ist es, Fragen aus dem Schnittfeld zu Naturwissenschaft und Internationaler Sicherheit in Forschung und Lehre zu bearbeiten. Ein Ausgangspunkt war die Einschätzung, dass interdisziplinäre Arbeit für junge Menschen erleichtert wird, wenn sie zunächst einmal lernen, ein Fach zu meistern und eine eigene Fachidentität entwickeln bei gleichzeitiger Sensibilisierung für größere Zusammenhänge. Dazu wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, in deren Rahmen in der Regel fachnah angelegte Diplom- und Doktorarbeiten bearbeitet wurden und werden können. Die jüngeren Mitarbeiter wurden aber von Anfang an mit dem Sicherheits- und friedenspolitischen Kontext vertraut gemacht.

Die im Rahmen von CENSIS gebildeten Arbeitsgruppen und bearbeiteten Projekte sind u.a.:

 
CENSIS-Forschungsprojekte:

 

  • Multispektrale Fernerkundung für den Open Skies Vertrag

Ziel dieses Projektes ist Probleme und Möglichkeiten der Verlängerung des Open Skies Vertrages zu studieren. Fragen der Aufnahme neuer Mitglieder, erweiterung des Anwendungsbereiches, sowie Inklusion Multispektraler Sensoren werden aus politischer, juristischer und technischer Sicht verarbeitet. 

 
Abgeschlossene Projekte:

 

  • Modernisierung und Stabilität: Die Auswirkungen neuer konventioneller Waffentechnologien

Ziel dieses CENSIS-Projektes war es, Entwicklungen in der konventionellen Rüstung zu analysieren, die zur Auslösung neuer Rüstungswettläufe sowie zur Entstehung militärischer Ungleichgewichte und Kriseninstabilitäten führen können. Die Projektarbeit konzentrierte sich auf fünf Bereiche der Entwicklung neuer konventioneller Waffensysteme: Panzer und Panzerabwehr, Stealth-Technologie im Flugzeugbau, Spin-Offs des SDI-Programms für konventionelle Rüstung, konventionelle Waffen großer Zerstörungskraft sowie Raketen und Raketenabwehr. Maßahmen für präventive, qualitative Rüstungskontrolle, insbesondere auf dem Gebiet der elektromagnetischen Geschosse und des Panzerabwehr-Wettrüstens, wurden erarbeitet und sollen weiterentwickelt werden. Es wurden auch Fragen der Weiterverbreitung (Proliferation) mit einbezogen.

Im Rahmen des Projektes wurde eine Datenbank über Entwicklungen in der Raketentechnologie erstellt. Die Arbeit fand im Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg statt, das an die Universität Hamburg angebunden ist.

  • Rechnergestützte Bildauswertung als Hilfsmittel zur Verifikation von Abrüstungsvereinbarungen

Die Arbeit im Projekt OSCAR wurde 1989 unter Leitung von Prof. L. Dreschler-Fischer aufgenommen. Es wurde untersucht, wie sich die Verifikation von Abrüstungsvereinbarungen mittels Einsatz von Beobachtungssatelliten und -flugzeugen durch die Entwicklung rechnergestützter Verfahren zur Auswertung der dabei anfallenden Bilddaten unterstützen lässt. Ziel war ein wissensbasiertes Bildauswertesystem, das durch Selektion relevanter Daten aus der Datenflut die Datenmenge für die menschlichen Auswerter auf ein bewältigbares Maß reduziert. Im Rahmen des Projektes wurden die politischen und wissenschaftlich-technischen Rahmenbedingungen analysiert und davon ausgehend ein Systemkonzept entwickelt, das den Aufbau eines wissensbasierten Systems zur Luft- und Satellitenbildauswertung konzeptionell beschreibt. Schwerpunkte der Arbeit liegen auf den Bereichen Wissensrepräsentation und Datenbanken, Logik und Interferenzmechanismen sowie wissensbasierte Konfigurierung von Bildverarbeitungsprozessen. Die Ergebnisse des Projektes sind in zahlreichen Diplom- und Doktorarbeiten dokumentiert worden.
Die Laufzeit des Projektes war Oktober 1989 bis Dezember 1993.

  • Mathematik und internationale Sicherheit

Die Arbeitsgruppe hat sich mit den Fragen der Modellierung in der Sicherheitspolitik beschäftigt. Untersuchungsgegenstände waren zunächst dynamische spieltheoretische Modelle, sowie Abrüstungsmodelle und Anwendungsbeispiele im Bereich strategische und konventionelle Stabilität. Hauptziele in den letzten Jahren waren die Entwicklung und Anwendung mathematischer Methoden zum Verständnis der Zusammenhänge zwischen Machtverteilung, Koalitionsbildung und multipolarer Stabilität in internationalen Systemen. Durch die Verknüpfung von kooperativer und dynamischer Spieltheorie mit computergestützter Konfliktmodellierung sollen Voraussetzungen für die Entwicklung von Instrumenten zur Entscheidungshilfe in komplexen Multi-Akteurs-Konstellationen geschaffen werden, die für präventive Konfliktbearbeitung und Friedensgestaltung ebenso anwendbar sind wie in der Ökonomie.

  • Physikalische Grundlagen der multispektralen Fernerkundung

Das Projekt sollte einen Beitrag zur digitalen Aufbereitung und Verarbeitung von multispektralen Fernerkundungsbildern liefern. Konkretes Ziel der Arbeit war es, physikalische Aspekte der Bildentstehung, die bei Klassifizierung von Objekten in fernerkundeten Multispektralbildern von Bedeutung sind, zu berücksichtigen und Klassifizierungsverfahren weiterzuentwickeln. Der Anwendungsbezug der Arbeiten richteten sich auf zwei Gebiete:

*Klassifizierung städtischer Flächen für die Stadtplanung

*Änderungsdetektion für Anwendungen in der Rüstungskontrolle und bei vertrauensbildenden Maßnahmen (z.B. Open-Skies-Vertrag)

 

Alle Informationen entstammen der eigenen Web-Angaben der CENSIS-Arbeitsgruppe.