Cyberattacken und Cyberwar

Für eine friedliche Nutzung des Cyberspace – Die neuen Bedrohungen durch Cyberattacken und die politischen und technischen Möglichkeiten der Vertrauensbildung und Rüstungskontrolle in dieser Domäne

 

Problembeschreibung


International ist eine Debatte über die künftige friedliche Nutzung des Cyberspace im Gange. Dies beruht auf der Wahrnehmung, dass in Zukunft Konflikte auch im Cyberspace ausgetragen werden können bzw. dass der Cyberspace auch in klassische Konflikte einbezogen werden kann. Verschiedene internationale Organisationen, darunter die Vereinten Nationen und die OSCE haben Arbeitsgruppen zu dem Thema eingerichtet, während führende Industriestaaten Cybercommands aufbauen, um sich auch nationalstaatlich für Cyberangriffe zu wappnen. Neben den technischen, politischen und gesellschaftlichen Betrachtungsebenen wirft die Technologie des Cyberspace neue Probleme auf, wie die Attribution von Akteuren oder der Dual-Use-Charakter von IT-Technik, die Analogien zur konventionellen Rüstungskontrolle und bestehenden Ansätzen vertrauensbildender Maßnahmen erschweren und neue Lösungen erfordern. Angesichts der technologischen Dynamik, unterschiedlicher Diskurse und Sicherheitskulturen sowie verschiedener sicherheitspolitischer Interessen werden unterschiedliche kooperative und technische Lösungskonzepte diskutiert. Sie reichen von einer Cyberkonvention, über Rüstungskontrolle im und für den Cyberspace bis hin zu ersten politischen und technischen Maßnahmen der Vertrauensbildung und Rüstungskontrolle.


Das Ziel des Projektes ist es, die internationale Debatte über die „Versicherheitlichung“ sowie die aktuellen Entwicklung der Miliarisierung des Cyberspace zu analysieren, die kooperativen Ansätze zu sammeln und zu bewerten und mit relevanten Akteursgruppen zu diskutieren.


Ziel und Fragestellungen des Projektes:

 

  • Welche Konzepte, Ansätze und Instrumente zur Kontrolle von Dual-User-Gütern - im speziellen biologische Waffen - und welche Erfahrungen aus der Einbeziehung relevanter Akteure in derartige Kontrollmaßnahmen lassen sich für die Verhütung der Militarisierung des Cyberspace anwenden?

  • Welche Möglichkeiten und Grenzen haben staatlich regulative Ansätze bei Dual-Use-Technologien des Cyberspace?

  • Wie können Erfahrungen des Networking auf internationaler Ebene (bilateral, OSCE, UN-Ebene) im Rahmen der Rüstungskontrolle auf Kontrollansätze der Informationstechnologie übertragen werden?

  • Welche internationale Kooperations-Foren und Instrumente können für Transparenz- und Vertrauensbildende Maßnahmen im Cyberspace benutzt oder neu entwickelt werden?

  • Welche spezifisch technologischen Kontroll- und Gestaltungsansätze ergeben sich aus den Eigenschaften und Techniken des Cyberspace. Welche Erfahrungen können aus den Bestrebungen zum Verbot der Bewaffnung des Weltalls als ähnlich kollektive Domäne auf die Regulation des „Cyberspace“ übertragen werden?

  • Wie sind die einzelnen defensiven und offensiven nationalstaatlichen und militärischen Vorhaben und Maßnahmen aus technischer Sicht hinsichtlich ihres destruktiven Potentials und mit Blick auf die Verwundbarkeit technischer Systeme zu bewerten?

  • Welche gesellschaftlichen Akteure können originäre Beiträge für mehr internationale Sicherheit im Cyberspace leisten und welche internationalen Akteure eignen sich als Schnittstellen für vertrauensbildende Maßnahmen?


Arbeitsweise des Projekts:


  • Sammlung, Analyse und Systematisierung von Vorschlägen und Ansätzen der Eindämmung und Verhinderungen des aggressiven, nicht-friedlichen Einsatzes von Technologie im Cyberspace aus Sekundärliteratur, Konferenzberichten, Strategiedokumente relevanter Organisationen (UN, IAEO, OPCW etc) und Regierungen

  • Enwicklung und Evaluierung technischer Ansätze und Instrumente zur Vertrauensbildung, Transparenz und internationaler Kooperation bei Bedrohungen im Cyberspace unter Berücksichtigung bestehender Abkommen, deren Reichweite und Grenzen aus den Dual-Use-Technologiebereichen Raketenabwehr, Nuklear-, Bio- und Chemiewaffen sowie Weltallaufrüstung

  • Monitoring und Analyse der nationalstaatlichen und militärischen Aktivitäten im Bereich der Entwicklung und der Anwendung defensiver und offensiver technischer Maßnahmen im Cyberspace sowie im Bereich nationaler, internationaler Doktrinen und Verteidigungsbündnisse

  • Monitoring aktueller Bedrohungslagen kritischer Infrastrukturen im Bereich der konventionellen Cybersecurity und Analyse der Verwundbarkeit staatlicher Infrastrukturen

  • Interviews mit politischen und militärischen Akteuren, Workshops und Vernetzung der Akteure (Repräsentanten von Regierungen, politischen Parteien, Vertretern nicht-staatlicher sowie relevanter gesellschaftlicher Organisationen) in Deutschland und international


Erwartete Ergebnisse des Projektes:


  • Analysen in Arbeitspapieren und Aufsätzen, Präsentation in Sammelbänden

  • Erstellung einer umfassenden Darstellung und Analyse der neuen Bedrohungen im Cyberspace und deren Bedeutung für die internationale Sicherheit als „Working Paper“

  • Beratung der Abrüstungsabteilung des Auswärtigen Amts

  • Teilnahme an Konferenzen und Workshops

  • Aufbau einer thematischen Literaturdatenbank

  • Aufbau einer thematischen Website


Arbeiten und bisherige Ergebnisse: